HR Today | 04/2005 | Text: Urs Hofmann
Personalentwicklung kann den Mitarbeitenden die Unternehmensstrategie verständlicher machen und ihnen zeigen, wie sie diese umsetzen können. Dazu muss jedoch die HR-Abteilung zwingend in der Firma angesiedelt sein. Eine Grossbank hat sogar eine eigene Business School gegründet.
Die Finanzmärkte haben sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Die Kunden erwarten eine ganz andere, noch proaktivere Dienstleistungsorientierung als in den boomenden Neunzigerjahren. Die Ausbildung ist eines der Mittel, um das Bewusstsein der Mitarbeitenden für diese rasante Entwicklung zu schärfen, ihnen die Unternehmensstrategie verständlich zu machen und sie zu befähigen, diese operativ umzusetzen. Die Personalentwicklung hat somit einen wichtigen Stellenwert, und es lohnt sich, zukünftig noch mehr in sie zu investieren.
Die Credit Suisse (CS) hat deshalb die erste unternehmenseigene Business School in der Schweiz gegründet. Mit ihr will die CS einen Wettbewerbsvorteil erlangen. Die Business School ist für die Integration aller Lernprozesse und deren konsequente Ausrichtung auf die Geschäftsstrategie verantwortlich. Sie liefert damit einen nachhaltigen Beitrag zur Steigerung des Unternehmenserfolgs und zum lebenslangen Lernen der Mitarbeitenden. Die Gründung dieser Schule ist ein weiterer Schritt in Richtung beschleunigte Innovation, Nachwuchsförderung und Verbesserung der Dienstleistungsqualität gegenüber den Kunden. Die Business School soll die Grundlage, der Motor dafür sein, dass sich die CS zur lernenden Organisation entwickelt.
Das Angebot der Business School richtet sich an die Mitarbeitenden der Credit Suisse Schweiz und an die Mitarbeitenden im Ausland sowie diejenigen des Corporate Center der Credit Suisse Group. Einen nächsten Entwicklungsschritt könnten Ausbildungsangebote für Kunden darstellen.
Die Ausbildungsarchitektur bietet von der Grundausbildung über Fach- und Verkaufsausbildungen bis zu Führungsausbildungen Kurse und Lehrgänge auf verschiedenen Stufen. Das Angebot ist in laufbahn- und strategieorientierte Ausbildungen gegliedert. Die laufbahnorientierte Ausbildung ist darauf ausgerichtet, die nötigen Kompetenzen der Mitarbeitenden auszubauen oder weiterzuentwickeln (beispielsweise vom Assistent zum Senior). Die strategieorientierte Ausbildung entwickelt Fähigkeiten, die der Organisation helfen, ihre strategischen Prioritäten erfolgreich zu realisieren (abhängig von den jährlichen konkreten Geschäftszielen).
Für jeden erfolgreich abgeschlossenen Kurs oder Lehrgang erhält der Teilnehmende eine Bestätigung beziehungsweise ein Zertifikat der Business School. Eidgenössische Abschlüsse gibt es für eidgenössisch anerkannte Lehrgänge wie etwa für das Programm Bachelor of Banking, das in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule Winterthur (ZHW) angeboten wird. Die erste Klasse wird im 2008 das Diplom «eidg. Betriebsökonom/in» erlangen.
Grundsätzlich setzt die Business School für die Durchführung der Ausbildung eigene, andragogisch ausgebildete Trainer ein. Zurzeit verfügt die CS über rund 600 Referenten, die von einigen Stunden bis zu zwei Wochen im Jahr für die Business School im Einsatz stehen. Wenn intern keine geeigneten Trainer oder Linienreferenten zur Verfügung stehen, ergänzen externe Trainer den Lehrkörper. Die Trainer werden oft von erfahrenen Führungskräften und Spezialisten unterstützt. Der Einbezug des Managements in die Tätigkeiten der Business School geschieht auch über die Rolle des Business Sponsor. Dieser gestaltet zusammen mit der Business School das Programm und agiert als Gastgeber im Seminar. Zudem stellt der Business Sponsor sicher, dass die Teilnehmer die Überlegungen und Entscheidungen des Top-Managements verstehen und sich im Lernprozess effektiv damit auseinander setzen können. Er nimmt aber auch Anregungen und Erkenntnisse, die im Seminar erarbeitet wurden, entgegen und leitet sie der Geschäftsleitung weiter.
Manager und Fachspezialisten, die ihr Know-how aktiv an ihre Kolleginnen und Kollegen weitergeben, prägen die Lernkultur innerhalb der Credit Suisse massgeblich mit. Sie tragen dazu bei, dass ihr Wissen und ihre Erfahrung auch jüngeren Mitarbeitenden zugänglich gemacht werden, die Qualität von Produkten und Dienstleistungen gesteigert und damit der Erfolg der CS positiv beeinflusst wird. Das Verbreiten von Best Practice ist ein wichtiger Beitrag zum Knowledge-Management.
In der Regel werden die Mitarbeitenden im Rahmen der Notwendigkeit für Programme vom Vorgesetzten nominiert. Die laufbahnorientierten Ausbildungen zielen auf die individuelle Entwicklung der einzelnen Mitarbeitenden entlang der funktionsorientierten Laufbahnen. Diese Ausbildungsprogramme befähigen den Mitarbeitenden, eine nächsthöhere, anspruchsvollere Funktion zu übernehmen und sind für die Bank eine Garantie dafür, dass qualifizierte Mitarbeitende für die zu besetzenden Experten- und Managementfunktionen zur Verfügung stehen. Nach der Identifikation der Entwicklungsbedürfnisse anhand des Talent Development Process (TDP) und einer Beratung durch die Personalstelle und die Business School erfolgt eine Nomination der Teilnehmer durch den Linienvorgesetzten.
Im Sinne von lebenslangem Lernen richtet sich das strategieorientierte Ausbildungsangebot wie auch die zahlreichen Ad-hoc-Ausbildungen nach den strategischen Zielen der CS und befähigt einen Mitarbeitenden, sich in seiner Funktion einem neuen oder veränderten Umfeld schnell anzupassen. Die Selektion und Nomination für strategieorientierte Ausbildung erfolgt durch den Linienvorgesetzten, unabhängig vom TDP. Die CS betrachtet grundsätzlich Ausbildung als Investition, deshalb werden für interne Ausbildungen keine Kostenbeiträge erhoben.
Qualitätsmanagement ist ein wesentlicher Eckpfeiler der Credit Suisse Business School. So sind Vorbereitungsarbeiten für Seminare, Lernerfolgskontrollen am Ende des Programms sowie die Überprüfung der Umsetzung des Gelernten in der täglichen Arbeit die Regel. Ausserdem misst die CS in gezielten Fällen, welchen Einfluss die Ausbildung in Bezug auf den Geschäftserfolg hat.